Bewerber mit Heiligenschein?

Hatten Sie nicht auch schon immer das Gefühl, dass attraktive Menschen bei einer Einstellung bevorzugt werden? Wenn Sie sich selbst hinterfragen, neigen Sie nicht auch dazu, hübschen Menschen automatisch andere positive Charakterzüge oder Intelligenz zuzuschreiben? Oft nur bis derjenige dann tatsächlich den Mund aufmacht. Keine Angst, Schuld sind nicht Sie. Im Grunde können Sie überhaupt nichts dafür.

Schuld ist die Unmenge an Informationen, die unser Gehirn täglich verarbeiten muss.Im Laufe der Entwicklung hat unser Gehirn sich Abkürzungen geschaffen um Herr der Lage zu bleiben. Leider führen die Abkürzungen aber nicht selten zu Verzerrungen und Urteilsfehlern.

Genau das ist der Fall, wenn einem attraktiven Bewerber oder einer attraktiven Bewerberin automatisch eine höhere Kompetenz zugeschrieben wird. Man spricht in der Sozialpsychologie vom sogenannten Halo-Effekt („Halo“ engl.: Heiligenschein). Kurz gesagt beschreibt der Halo-Effekt, dass eine markante Eigenschaft (z.B. Aussehen) uns auf andere unbekannte Eigenschaften (z.B. Intelligenz) schließen lässt und so der Gesamteindruck verzerrt wird.
Nun können Sie sich vorstellen, dass dieses Phänomen aus unternehmerischer Sicht zu katastrophalen Fehlentscheidungen mit entsprechenden Folgekosten führen kann. Wie kann man also vermeiden, dass man durch eine Eigenschaft „geblendet“ wird?

1) Erstellen Sie im Vorfeld ein festgelegtes Anforderungsprofil

2) Bewerten Sie die jeweiligen Merkmale des Anforderungsprofils einzeln

3) Machen Sie sich bewusst, dass es diesen Effekt gibt. Oft schwächt das die Wirkung ab, da die automatische Verarbeitung unterbrochen wird.

Nachdem Sie diesen Effekt und seine Folgen nun kennengelernt haben, können Sie natürlich selbst entscheiden, wie Sie mit diesen Informationen umgehen. Wahrscheinlich hängt es auch durchaus davon ab, an welcher Seite des Tisches Sie bei einem Vorstellungsgespräch sitzen. Während auf der einen Seite nun also Beurteilungsbögen und Interviewschulungen Einzug halten, wird auf der anderen Seite, zuhause vor dem Spiegel, vielleicht noch ein bisschen nachgepudert.